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Lektion 10: Der relative Mehrwert Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, S. 331 – 340 Die Marxsche Definition lautet: „Unter Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit verstehn wir ... eine Veränderung im Arbeitsprozess, wodurch die zur Produktion einer Ware gesellschaftlich erheischte Arbeitszeit verkürzt wird, ein kleinres Quantum Arbeit also die Kraft erwirbt, ein größres Quantum Gebrauchswert zu produzieren.“ (333)
Nur durch die revolutionäre Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit, durch die Veränderung der „technischen und gesellschaftlichen Bedingungen des Arbeitsprozesses“, durch Umwälzung der Produktionsweise selbst, kann der Wert der Ware Arbeitskraft gesenkt und der „zur Produktion dieses Werts notwendige Teil des Arbeitstags“(334) verkürzt werden. Dabei ist dieses „allgemeine Resultat“ des Wirkens des Kapitalisten durchaus verschieden vom „unmittelbaren Zweck“(335). Der Kapitalist revolutiert die Produktionsweise, um mehr Profit zu erzielen, nicht um die Lebensmittel seiner Arbeiter zu verbilligen. Es gilt auch hier: „Die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion (erscheinen) ... als Zwangsgesetze der Konkurrenz“(335).
Schauen wir zur Erläuterung unser Beispiel an:
An einem Arbeitstag von 12 Stunden hat ein Arbeiter, der 10 Geldeinheiten kostet, 10 Stück Ware zum Wert von 40 produziert, dazu war ein konstantes Kapital von 20 notwendig. Der Mehrwert war also 10 Geldeinheiten hoch. Nun produziert unter veränderten Bedingungen selbiger Arbeiter in unterstellt selber Zeit 20 Wareneinheiten, wozu 40 konstantes Kapital notwendig sind. Der Preis der Arbeit bliebe gleich und der Kapitalist kann nun den Preis der Ware je nach Marktbedingung setzen: Entweder unverändert bei vier lassen, wodurch ihm ein „Extramehrwert“ von bis zu 30 Geldeinheiten zuflösse oder, was wahrscheinlicher ist, den Preis der Ware senken, um mehr davon verkaufen zu können, zum Beispiel auf 3,5 Geldeinheiten. Er würde so einen Wert von 70 erlösen und seinen Mehrwert immer noch auf 20 verdoppeln.
Nach Marx „existiert für jeden einzelnen Kapitalisten das Motiv, die Ware durch erhöhte Produktivkraft der Arbeit zu verwohlfeilern“(336), also zu verbilligen, um realistisch seinen Absatz vergrößern zu können. Die Anwendung von „Arbeit von ausnahmsweiser Produktivkraft“ wirkt als „potenzierte Arbeit“ und „schafft in gleichen Zeiträumen höhere Werte als die gesellschaftliche Durchschnittsarbeit“. Mit der Zeit, „sobald die neue Produktionsweise sich verallgemeinert“, „verschwindet jener Extramehrwert ... und damit die Differenz zwischen dem individuellen Wert der wohlfeiler produzierten Waren und ihrem gesellschaftlichen Wert“(337). Dasselbe Gesetz, welches den Kapitalisten zwingt, seine Ware unter ihren bisherigen gesellschaftlichen Wert zu verkaufen, „treibt seine Mitbewerber als Zwangsgesetz der Konkurrenz zur Einführung der neuen Produktionsweise.“(337f) Als Ergebnis des Prozesses verbilligen sich mit der Zeit auch die Lebensmittel und damit der Wert der Ware Arbeitskraft. Statt, wie in unserem Beispiel in sechs Stunden, können sie z.B. durch die Arbeit von 5 Stunden produziert werden. Die Mehrarbeit könnte so von sechs auf sieben Stunden bei konstantem Arbeitstag steigen. Der relative Mehrwert steigt mit steigender Produktivkraft und fällt umgekehrt.(siehe 338) Es ist so „beständige Tendenz des Kapitals, die Produktivkraft der Arbeit zu steigern, um die Ware und durch die Verwohlfeilerung der Ware den Arbeiter selbst zu verwohlfeilern.“(338)
Diese „Ökonomie der Arbeit durch Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit“ bezweckt nun durchaus nicht, was offensichtlich möglich wäre, die gesamtgesellschaftliche „Verkürzung des Arbeitstages. Sie bezweckt nur Verkürzung der für Produktion eines bestimmten Warenquantums notwendigen Arbeitszeit.“(339) Innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktion bezweckt die Produktivkraftsteigerung der relativen Mehrwertproduktion nur, den Teil des Arbeitstages, den der Arbeiter für sich arbeitet, zu verkürzen, und den Teil des Arbeitstages zu verlängern, den er für den Kapitalisten „umsonst“ schuftet. (siehe 340) Marx fasst definitorisch zusammen:
„Durch Verlängerung des Arbeitstags produzierten Mehrwert nenne ich absoluten Mehrwert; den Mehrwert dagegen, der aus Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit und entsprechender Verändrung im Größenverhältnis der beiden Bestandteile des Arbeitstags entspringt – relativen Mehrwert.“(334)
Frage zum Verständnis und zur Diskussion:
Was ist der Zweck der Produktivkraftsteigerung für den Kapitalisten und was das gesellschaftliche Ergebnis?
*) alle Zitate mit Seitenangabe aus Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, MEW 23
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